Jüdisches Mainz

Magenza & SchUM

Neben den rheinland-pfälzischen Städten Speyer und Worms gehört Mainz zu den sogenannten SchUM-Städten. Die Abkürzung SchUM steht für  die Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen  Namen von Speyer, Worms und Mainz. Alle drei Städte verbindet ein bedeutendes jüdisches Erbe, mit dem sie sich um den Titel des UNESCO Weltkulturerbes bewerben werden.

Die Jüdische Gemeinde in Mainz gehört zu den ältesten im deutschsprachigen Kulturraum, deren Existenz bereits ins 10. Jahrhundert reicht. Berühmtheit erlangte sie durch das Wirken ihrer Gelehrten, die Magenza zu einem religiösen und kulturellen Zentrum des Judentums im Mittelalter machten.

Eine Führung zum Thema "Magenza - Das jüdische Mainz" kann gerne auf Anfrage gebucht werden.

Jüdischer Friedhof


Durch den Mainzer Stadtbaumeister Eduard Kreyßig wurde 1880 ein neuer jüdischer Friedhof an der Unteren Zahlbacher Straße neben dem Mainzer Hauptfriedhof angelegt. Damit lief die Nutzung des alten Friedhofes Judensand in er Mombacher Straße aus. Am Eingang des Friedhofs befindet sich eine 1948 angebrachte Gedenktafel mit der Inschrift: „Unseren Opfern zum Gedenken. Den Mördern zur Schande. Den Lebenden zur Mahnung.“ Die Gräber blieben während des NS-Regimes und der Kriegszeit unversehrt. Bis heute werden Mitglieder der jüdischen Gemeinde hier beigesetzt.

Neue Synagoge


1912 wurde die Hauptsynagoge an der Kreuzung von Hindenburg- und Josefsstraße errichtet, die in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 geplündert und in Brand gesetzt wurde. Mittelpunkt der Anlage war ein monumentaler Rundbau mit großer Kuppel, in dem sich der eigentliche Betsaal befand. Vom Rundbau aus erstreckten sich zwei niedrigere Seitenflügel, in denen Wochentagssynagoge, Gemeinderäume, Trausaal und das Museum Jüdischer Altertümer Platz fanden. Den Seitenflügeln war je ein Säulenportikus vorgelagert. Nach dem Krieg baute man auf dem Gelände das Zollamt. Bei Bauarbeiten wurden 1988 Reste des Säulenportikus gefunden und wieder aufgerichtet. 98 Jahre nach der Einweihung der Hauptsynagoge in Mainz am 3. September 1912 und rund 70 Jahre nach ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten erhielt die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt wieder ein sichtbares Zeichen für ein neues lebendiges Judentum. Das nach den Plänen des Kölner Architekten Manuel Herz erbaute neue Gemeindezentrum wurde 2010 am gleichen Standort eingeweiht. „Keduschah“ ist das hebräische Wort eines Segensspruchs für „Heiligung“, dessen fünf Buchstaben der neuen Synagoge in Mainz ihre Form geben und sie gliedern. Die Architektur mit ihrer eigenständigen Formensprache und den von grün glasierten Keramikprofilen bedeckten Fassadenflächen wendet sich bewusst von gewohnten Bauformen  und -materialen ab. Die Gestaltung beeindruckt und vermeidet  Anpassung und Harmonisierung. Manuel Herz schließt den Bogen vom Mittelalter zur Gegenwart ohne direkte Bezugnahme auf Verfolgungen, Pogrome und den Holocaust. Vielmehr basiert sein architektonisches Werk auf überlieferten Texten der Tora. Durch die auf dem Vorplatz  stehenden Fragmente der Säulenhalle des Vorgängerbaus entsteht  auch eine Verbindung zwischen der zerstörten Hauptsynagoge von 1912 und der heutigen.

Judaica-Sammlung im Landesmuseum Mainz


Das Landesmuseum beherbergt eine Sammlung jüdischer Kultgegenstände, überwiegend Gold- und Silberschmiedearbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese stammen aus der Sammlung des „Vereins zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz“, der am 3. Oktober 1926 das Museum jüdischer Altertümer im Seitentrakt der 1912 eingeweihten Hauptsynagoge in der Mainzer Neustadt eröffnete. Das Museum wurde in der NS-Zeit von den Nationalsozialisten geschlossen. Ein Großteil der Bestände an Kultgegenständen, Dokumenten und Handschriften wurde in der Pogromnacht vom 9. November 1938 zerstört. Von den geretteten Kultgegenständen ist ein großer Teil als Dauerleihgabe der Jüdischen Gemeinde in Mainz im Landesmuseum ausgestellt.

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Broschüre

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