Jüdisches Mainz

Magenza & SchUM

Neben den rheinland-pfälzischen Städten Speyer und Worms gehört Mainz zu den sogenannten SchUM-Städten. Die Abkürzung SchUM steht für  die Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen  Namen von Speyer, Worms und Mainz. Alle drei Städte verbindet ein bedeutendes jüdisches Erbe, mit dem sie sich um den Titel des UNESCO Weltkulturerbes bewerben werden.

Die Jüdische Gemeinde in Mainz gehört zu den ältesten im deutschsprachigen Kulturraum, deren Existenz bereits ins 10. Jahrhundert reicht. Berühmtheit erlangte sie durch das Wirken ihrer Gelehrten, die Magenza zu einem religiösen und kulturellen Zentrum des Judentums im Mittelalter machten.

Eine Führung zum Thema "Magenza - Das jüdische Mainz" kann gerne auf Anfrage gebucht werden.

Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite der SchUM-Städte.


Neue Synagoge

Mainz ist eine der ältesten und traditionellsten jüdischen Gemeinden in Europa. Im Mittelalter war die Stadt Zentrum jüdischer Lehre und Religion. Die 1912 nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Willy Graf errichtete Hauptsynagoge an der Kreuzung von Hindenburg- und Josefsstraße wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 geplündert und in Brand gesetzt.

Inzwischen ist die Jüdische Gemeinde Mainz wieder auf ca. 1.000 Mitglieder angewachsen, insbesondere durch Zuzug aus den Ländern Osteuropas. Da die Räumlichkeiten der Jüdischen Gemeinde zu klein geworden waren, setzte sie sich das Ziel, am Standort der ehemaligen Hauptsynagoge in der Hindenburgstraße ein neues Gemeindezentrum zu errichten. Die Pläne hierfür stammen aus der Feder des Kölner Architekten Manuel Herz. Die Stadt Mainz unterstützte dieses Vorhaben tatkräftig.

"Kedushah" ist das hebräische Wort eines Segensspruchs für "Heiligung", dessen fünf Buchstaben der neuen Synagoge in Mainz ihre Form geben und sie gliedern. Die Architektur mit ihrer eigenständigen Formensprache und den von grün glasierten Keramikprofilen bedeckte Fassadenflächen wendet sich bewusst von gewohnten Bauformen und -materialien ab. Manuel Herz schließt den Bogen vom Mittelalter zur Gegenwart ohne direkte Bezugnahme auf Verfolgungen, Pogrome und den Holocaust. Vielmehr basiert sein architektonisches Werk auf überlieferten Texten der Tora.

Durch die auf dem Vorplatz stehenden Fragmente der Säulenhalle des Vorgängerbaus entsteht zudem eine Verbindung zwischen der zerstörten Hauptsynagoge von 1912 und der heutigen Synagoge.

Einweihung der Neuen Synagoge Mainz im Jahr 2010
Die offizielle Eröffnungsfeier fand am Freitag, 3. September 2010 statt. Zu der Veranstaltung luden die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Stella Schindler-Siegreich, Ministerpräsident Kurt Beck und der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel gemeinsam ein.

Zahlreiche geladene Gäste aus dem In- und Ausland, ehemalige Mainzer Juden, Zeitzeugen und Gemeindemitglieder nahmen an der Feier teil, unter anderem Bundespräsident Christian Wulff und der Botschafter des Staates Israel Yoram Ben Ze’ev . Am Tag der offenen Tür im September 2010 besuchten Hunderte von interessierten Mainzerinnen und Mainzer das neue Gotteshaus. Die Eröffnungsfeier begann mit der Anbringung der Mesusa am Haupteingang der Synagoge durch Rabbiner Julian-Chaim Soussan und dem anschließenden Einzug mit den Torarollen in den Gebetsraum.

Nach der Begrüßung durch Stella Schindler-Siegreich sprachen Bundespräsident Wulff, Ministerpräsident Beck, Oberbürgermeister Beutel, die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sowie Dr. Fritz Weinschenk, ein 1920 in Mainz geborener Jude, der aus New York angereist war. 98 Jahre nach der Einweihung der Hauptsynagoge in Mainz am 3. September 1912 und rund 70 Jahre nach ihrer Zerstörung durch die Nationalsozialisten hat die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt wieder ein sichtbares Zeichen für ein neues lebendiges Judentum. Die Postanschrift des neuen jüdischen Gemeindezentrums am geschichtsträchtigen Ort wurde von Hindenburgstraße in „Synagogenplatz“ umbenannt.


 Mainz Neue Synagoge Mainz Neue Synagoge

Kontakt

Neue Synagoge
Synagogenplatz (Ecke Hindenburgstraße/Josefsstraße
55118 Mainz
Website

Jüdischer Friedhof

Durch den Mainzer Stadtbaumeister Eduard Kreyßig wurde 1880 ein neuer jüdischer Friedhof an der Unteren Zahlbacher Straße neben dem Mainzer Hauptfriedhof angelegt. Damit lief die Nutzung des alten Friedhofes Judensand in er Mombacher Straße aus. Am Eingang des Friedhofs befindet sich eine 1948 angebrachte Gedenktafel mit der Inschrift: „Unseren Opfern zum Gedenken. Den Mördern zur Schande. Den Lebenden zur Mahnung.“ Die Gräber blieben während des NS-Regimes und der Kriegszeit unversehrt. Bis heute werden Mitglieder der jüdischen Gemeinde hier beigesetzt.


Jüdischer Friedhof  Mainz

Kontakt

Jüdischer Friedhof
Untere Zahlbacher Straße
55131 Mainz


Synagoge Weisenau

Die Synagoge in Mainz-Weisenau wurde 1737/38 erbaut. Sie ist die einzige Synagoge in Mainz, die die Zeit des Nationalsozialismus und die Bombenangriffe überdauerte und das ältestes noch erhaltenes Gebäude in Weisenau. Da die Weisenauer jüdische Gemeinde im 18. Jahrhundert fast ein Viertel der Dorfbevölkerung ausmachte, wurde die Synagoge auf der Wormser Straße errichtet.

Bei der Belagerung von Mainz 1793 wurde die Synagoge schwer beschädigt. Erst 25 Jahre später waren die Schäden behoben. In der Pogromnacht 1938 plünderten und entweihten die Nationalsozialisten die Synagoge Weisenau. Da ein Übergreifen der Flammen auf die benachbarten Häuser befürchtet wurde, setzten sie das Gebäude jedoch nicht in Brand. 1940 wurden die Synagoge und das Grundstück zwangsverkauft und in der Nachkriegszeit als Schuppen und Hühnerstall zweckentfremdet.

Die Synagoge geriet in Vergessenheit, erst 1978 wurde die ursprüngliche Bedeutung des Gebäudes durch die Ausstellung "Juden in Mainz" wiedererkannt. Das versteckt gelegene Gebäude wurde unter Denkmalschutz gestellt, der Landeshauptstadt Mainz übereignet und mithilfe des 1993 gegründeten Fördervereins restauriert. Am 27. Mai 1996 wurde die Synagoge eingeweiht.
Es wurden im Vorhof der Synagoge zwei Mikwen (rituelle Tauchbäder) gefunden, die aus unterschiedlichen Zeitepochen stammen. Diese Mikwen aus der Barockzeit und der Mitte des 19. Jahrhunderts machen die Weisenauer Synagoge einzigartig in Deutschland.


Synagoge Weisenau Inschrift Synagoge Weisenau

Kontakt

Synagoge Weisenau
Wormser Str. 31
55130 Mainz


Judaica-Sammlung im Landesmuseum Mainz


Das Landesmuseum beherbergt eine Sammlung jüdischer Kultgegenstände, überwiegend Gold- und Silberschmiedearbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese stammen aus der Sammlung des „Vereins zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz“, der am 3. Oktober 1926 das Museum jüdischer Altertümer im Seitentrakt der 1912 eingeweihten Hauptsynagoge in der Mainzer Neustadt eröffnete. Das Museum wurde in der NS-Zeit von den Nationalsozialisten geschlossen. Ein Großteil der Bestände an Kultgegenständen, Dokumenten und Handschriften wurde in der Pogromnacht vom 9. November 1938 zerstört. Von den geretteten Kultgegenständen ist ein großer Teil als Dauerleihgabe der Jüdischen Gemeinde in Mainz im Landesmuseum ausgestellt.